1. FASTENSONNTAG

Evangelium nach Matthäus 4,1-11

 

Nachdem Jesus bei seiner Taufe die tiefe Erfahrung gemacht hat, dass er von Gott geliebt und deswegen von Gott in seinen Dienst genommen wird, zieht es ihn in die Einsamkeit, um sich darüber im Klaren zu werden, was das für ihn bedeutet. Er stößt dabei auf grundsätzliche Versuchungen, die in jedem menschlichen Leben vorhanden sind.

Wir möchten immer wieder unsere körperlichen und materiellen Bedürfnisse befriedigen. Wir haben oft ein so starkes Konsumverhalten, dass wir all unsere Kräfte dafür einsetzen, um diesen ‘Hunger’ zu stillen, oft durch Dinge, die wir eigentlich nicht brauchen. Ist aber unser leibliches Wohl das Wichtigste in unserem Leben? Wir leben oft nach dem Prinzip, das Bert Brecht in seiner „Dreigroschenoper“ nennt: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. Möchten wir sogar aus Steinen Brot machen? Alles nur konsumieren? Aber diese Konsumgüter befriedigen nur scheinbar meinen Lebenshunger. Nur Gott kann ihn stillen. „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot; er lebt von jedem Wort, das Gott spricht“, sagt Jesus. Ich möchte nicht alles konsumieren. Es ist gut, mein (übertriebenes) Konsumverhalten zu reduzieren und so der Versuchung in unserer modernen Gesellschaft widerstehen.

Was ist wichtig in unserem Leben? Viel haben: Besitz und Reichtum, Macht und Einfluss? Geld regiert die Welt, auch mich, selbst so dass ich es heimlich „anbete“, zu meinem Gott mache? 'Vor dem Herrn, deinem Gott, wirf dich nieder, ihn sollst du anbeten und niemand sonst.«

Wir wollen Anerkennung. Wir wollen wer sein, etwas gelten, die Aufmerksamkeit anderer auf uns ziehen, im Mittelpunkt stehen, bewundert und geehrt werden. Wir sind sogar bereit dafür Dinge zu tun, die uns in Gefahr bringen, und das vielleicht mit dem Nebengedanken: „Deinetwegen wird Gott seine Engel schicken, deinen Schutzengel.“ Aber Jesus meint: 'Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht herausfordern.«

Sind diese Grundversuchungen, mit denen Jesus zu kämpfen hat, nicht auch unsere? Wo erleben wir unsere Abhängigkeiten, unsere Unfreiheiten, die uns ein Leben mit Gott erschweren oder unmöglich machen? Was sind unsere Versuchungen? Jesus macht deutlich: Ein Mensch, wie Gott sich ihn vorstellt, lässt sich nicht von diesen ‘Urinstinkten’, ‘Urbedürfnissen’ leiten. Er strebt andere Wertigkeiten an.

 

In der Fastenzeit, unserer Wüstenzeit, wollen wir uns damit auseinandersetzen und uns darüber Klarheit verschaffen, wie wir wirklich zu Gott stehen. Die Fastenzeit ist eine Zeit der geistlichen, der Glaubens-Revitalisierung, Erneuerung! Unseren Glauben an Gott festigen.

Das Allerwichtigste im Leben ist, dass wir an erster Stelle eine gute Beziehung zu Gott finden, in vollem Vertrauen zu ihm, und gleichzeitig eine gute Beziehung zu unseren Mitmenschen - eine Beziehung, die von Liebe geprägt ist. Wie kann ich das in dieser Fastenzeit besonders anstreben?

 

In allen Kulturen hat das Fasten immer einen religiösen Ursprung. Fasten hat an erster Stelle etwas mit Gott zu tun. Die Fastenzeit ist eine Zeit der geistlichen, der Glaubenserneuerung! Sechs Wochen lang einen Weg der Glaubensvertiefung gehen, bewusst auf Gott zugehen. Ihn suchen. Unseren Glauben an ihn festigen. Das ist ein christliches Fasten: uns festmachen in Gott, uns mehr in ihm verwurzeln.

 

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